Worte für den Tag

28. Mai

Halte durch!

Viele Aufgaben und Herausforderungen erfordern einen langen Atem:
Der Mann nach der Operation, der nur ganz langsam wieder auf die Beine kommt;
der Flüchtling, der Deutsch lernt und schließlich eine Ausbildung machen will;
die lange Bauzeit in der Heilandskirche, bis das Stadtteilzentrum ganz fertig ist und seine Pforten öffnen kann; die Kontakt- und anderen derzeitigen Einschränkungen. 

Vieles im Leben ist ein Langstreckenlauf, nicht ein Sprint! 

Meine Frau und ich haben das bei der Besteigung des Mount Kenya erlebt: Der Afrikaner „Duncan“ hat uns immer wieder in der ostafrikanischen Sprache Kisuaheli ermutigt und zugleich ermahnt: „Pole, Pole – Langsam, langsam! Haltet durch, ihr schafft das!“ Wenn die Luft dünn wird, ist es ein Geschenk, nicht alleine unterwegs zu sein. Dann brauchen wir den Zuspruch, das Aufmuntern und das gemeinsame Ziel. 

Die Bibel sagt uns, dass wir Gott als großen Ermutiger an unserer Seite haben. Das ist Ansporn und zugleich Versprechen: 

„Pole, Pole! - Halte durch! – ER hält dich!“

Pfarrer Volker Klein

27. Mai

Ist die Kirche systemrelevant? 

Kurz vor Pfingsten, dem Geburtstag der Kirche, treibt mich diese Frage um. Covid-19 stellt die Kirche auf dem Prüfstand. Gottesdienste, die für uns Mittelpunkt des gemeinschaftlichen Lebens sind, können nicht oder nur eingeschränkt gefeiert werden. Mund- und Nasenschutz lassen die geistlichen Lieder nur als murmelnden Klangbrei vernehmen. In der öffentlichen Wahrnehmung werden Virologen, Politiker und Wirtschaftsleute befragt. Theologen sind nicht gefragt. Beim Bäcker kannst du dein Brot immer kaufen und Schlangen bilden sich vor REWE und DM.

»Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.« Mt 4,4

Ja, es ist wichtig, wie wir uns wirtschaftlich, politisch und medizinisch aus der Umklammerung der Pandemie herauslösen. 

Erster Kita-Tag für meinen fünfjährigen Enkel. Auf dem Weg zur Kita fragt er seine Mutter. Ich habe Angst andere anzustecken. 

Was sind ihre Befürchtungen? Welches Wort aus dem Munde Gottes brauchen Sie? Zuwendung? Behutsamkeit? Zuhören? Fürchte dich nicht? Trost? Liebe? Zärtlichkeit? Mut? Lachen? Wo diese existenziell relevanten Worte unser Leben erreichen, beginnen wir auf einer Ebene zu heilen, die unser Miteinander stärkt.  Gottes Worte sind beseelt von Zuversicht. Kirche lebt aus dieser Zuversicht. Ein systemrelevanter Schatz. Was meinen Sie?

Die Mutter hört dem Kind zu, streicht ihm behutsam über den Kopf und sagt: „Du bist doch gesund. Du brauchst keine Angst zu haben.“ Ein erleichterter und ein liebender Blick treffen sich. 

»Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.«

Ihr Martin Staemmler-Michael

25. Mai

„Auf dich, HERR, mein Gott, traue ich! 
Hilf mir von allen meinen Verfolgern und errette mich!“
(Psalm 7,2)

„Der läuft mir immer nach!“ Mit diesem Vorwurf gegenüber einem Geschwisterkind oder Spielkameraden kommen meine Kinder manchmal zu mir. Es ist ein unangenehmes Gefühl, auf Schritt und Tritt verfolgt zu werden, keine ruhige Minute und keinen unbeobachteten Moment zu haben.

In unserer digitalen Welt ist „Verfolgung“ in den letzten Jahren aber auch zu einem Statussymbol geworden. Wer in den sozialen Netzwerken die meisten „Follower“ hinter sich versammelt, wer sich in seinen Beiträgen am häufigsten sichtbar macht und am meisten gesehen wird, der gilt als erfolgreich, erzielt Gewinne und gewinnt an Einfluss.

Gerade in unseren Zeiten von Überwachung, Infokrieg und Verschwörungsideologien kann aber auch dieses digitale Verfolgen und Verfolgtwerden schnell zu einer beklemmenden Erfahrung werden. Da tut es gut – mit Gottvertrauen – immer einmal Abstand zu gewinnen. Von solchen befreienden Momenten erzählt etwa das Lied „Keiner“ der deutschen Rockband Madsen (https://www.youtube.com/watch?v=f8aO1MK7OGQ) – vielleicht würde der Verfasser von Psalm 7 heute ganz ähnlich dichten...

Herzliche Grüße und eine gesegnete Woche wünscht

Ihr Konstantin Enge

23. Mai

Wir gehen auf ganz unterschiedliche Art und Weise aufeinander zu:

Wir können Menschen mit freundlichem Blick anschauen. Wir können ihnen einen Schritt entgegengehen, in normalen Zeiten sogar die Hand reichen.

Aber wir können auch die Arme vor der Brust verschränken oder die Hände in den Taschen stecken lassen. Wir können die Hand zur Faust ballen oder womöglich zuschlagen. Jesus war jemand mit offenen Armen. Schon Kinder hat er in die Arme genommen. Das war den Leuten um ihn herum peinlich. Er hat es bewusst getan. „Lasst die Kinder kommen“ hat er gesagt. Und er hat noch ganz andere mit offenen Armen begrüßt: Einfache Leute, Menschen am Rande und auch solche, die es nicht verdient haben. 

Nehmen wir einmal an, wir begegnen jemandem mit offenen Armen. Gleich heute. Einen Menschen, den wir im Laufe des Tages treffen. Einen, der uns vielleicht geärgert hat. Einen, der uns unterbricht oder stört. Einen, der uns befremdet. Wir brauchen ihn dazu noch nicht einmal berühren. Das geht auch mit 1,5 m Abstand. Wagen wir den kleinen Schritt der offenen Arme!

Pfarrer Volker Klein

22. Mai

Ein Gedicht zum Einstieg

Ich lebe mein Leben

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,

die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang.

(Rainer Maria Rilke)

Himmelfahrt praktisch, oder Perspektivwechsel

„Himmelfahrt“, das habe ich bisher zweimal erlebt: In einem Flugzeug abheben einmal nach Israel und einmal nach Norwegen.

„Himmelfahrt“, das war für mich, gerade eben noch auf dem Boden, mit einem beschränkten Blick von 1,69 cm Höhe, und dann in wachsenden Ringen hinauf in die Weite. Und ich überblicke Leipzig und das Land, sehe Häuser, Dörfer, Städte und Länder. Und ich frage mich, was tun die Menschen da unten, was beschäftigt sie gerade und wie leben sie?

Vielleicht bedeutet „Himmelfahrt“ ja gerade auch eben das: Den Kopf heben und wahrnehmen, dass da mehr ist als meine kleine Welt.

„Himmelfahrt“ war für die ersten Christen ein erster Schritt in die Verantwortung für die ganze Welt, in eine Gemeinschaft hinein, die getragen von Gott in wachsenden Ringen Verbundenheit schuf.

Und so kreise ich nicht mehr nur um mich selbst.

Diesen Auftrag werde ich wohl letztlich nicht ganz verstehen, aber versuchen will ich ihn.

Und es wird sich darin zeigen, wer ich eigentlich bin.

Ich grüße Sie herzlich

Ihr Pfarrer Dr. Sebastian Ziera

20. Mai

auf und davon?

Na dann viel Spaß zu Christi Männertag!  sagte mein dreiundzwanzigjähriger Sohn am Ende seines kurzen Besuches zu mir. Und noch ehe ich ihm mit (gespielter) Empörung antworten konnte, war er schon aus der Tür.    

Was er nicht wusste: er hatte mir damit die Anregung für dieses Wort zum Tag geschenkt.    

auf und davon

ja so läuft  das

im zug der zeit

ins offene verliert

man sich so schnell

und nichts bleibt

außer ein leerer Platz

und das war’s dann
 
so anders ER  

der auffährt zu kommen

in den wirklich letzten winkel

um die große leere auszufüllen

mit seinem geist der alles andere ist

als nur ein flüchtiger dunst

weil er alles ändert

mit einem wort

kommt er

in liebe

zu mir

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Feiertag zu Christi Himmelfahrt!

Ihr Heinz Schneemann

19. Mai

Der weise König Salomo hatte bei Gott einen Wunsch frei. Er bat: „Gib mir ein gehorsames Herz, damit ich … verstehe, was gut und böse ist.“ (nach 1. Könige 3,9) Brauchen wir nicht auch so einen inneren Kompass, damit wir nicht vom Weg abkommen? Man sieht im Fernsehen und liest in Gerichtsreportagen von Menschen, die Schreckliches tun und dabei ohne jedes Schuldgefühl sind. Kein Gewissen schlägt. Oft ist nicht einmal ein nachvollziehbares Motiv zu erkennen. Keinerlei Mitgefühl für die Person, die leidend zurückbleibt… Ich frage mich ratlos: Was ist da los? Was geht in solchen Menschen vor? Könnte ich in Extremsituationen auch so etwas tun?  Was kann uns davor bewahren, in solcher Lage total auszurasten? „Verstehen, was gut und böse ist.“ Weiß das nicht jeder, zumindest theoretisch? Theoretisch ja, aber offenbar fehlt’s uns am „gehorsamen Herz“. Ich meine damit: Ich könnte für mich selbst auch nicht die Hand in’s Feuer legen, dass mir niemals so etwas passieren könnte, wo ich schreiendes Unrecht tue und es nicht einsehe. Gott bewahre mich davor! Ja, das war es auch, was der weise König Salomo sich wünschte...

Alles Gute von oben wünscht Euch Euer Günther Jacob

18. Mai

Schweig still mein Herz, die Bäume beten.

Ich sprach zum Baum: Erzähl mir von Gott.

Und er blühte.

(Rabindranath Tagore)

Wir in Schleußig haben die Bäume vor der Nase. Straßenbäume, Parkbäume, Auwaldbäume.
Täglich möchte ich sie aufsuchen. Zum Spaziergang etwa.
Dann raunen sie mir zu:

Komm näher. Bleib mal stehen!

Das tu ich gern. Zum Baum muss ich den Sicherheitsabstand nicht einhalten, der für uns untereinander noch nötig ist. So stehe ich vor einem Baum. Sehe mir seine Rinde genauer  an, zerfurcht oder glatt. Ich schaue am Stamm entlang in die Höhe.  Im Winter verhießen die Knospen künftigen Frühling.Diesmal ging wieder alles sehr schnell. Beinahe gleichzeitig wurden sie grün; frische zarte Blätter. Dann blühte der Ahorn als erster.

Bäume, der Park, der Wald besänftigen, was  uns nicht zur Ruhe kommen lässt: Zeitdruck, Sorgen, Ängste. Es gibt nicht nur die Probleme der Epidemie. Gott sei Dank gibt es die Natur um uns. Ich denke an Gottes  Zusage vom Wechsel der Jahreszeiten, solange die Erde steht. ( 1. Mose 8,22 ). 

Auch Christus streifte gern durch die Natur. Dort betete er am liebsten. Bäume, Vögel, Blumen, Felder waren für ihn Zeichen der Fürsorge Gottes. Sie waren Erzählstoff für seine Gleichnisse...Ich gehe meinen Weg weiter, bis er auf dem Patz mündet, wo die Industriestraße beginnt.

Da sehe ich  den Gaukler wieder, wie er zum Spaß der Kinder große Seifenblasen zieht. Er ist ein Bewegungskünstler, Argentino aus Kolumbien. Den Körper zu einem Song aus seinem Handy wiegend, balanciert er auch mit seinem Jo-Jo  oder mit mehreren Stäben.

Er drückt dankbare Freude aus. Dankbar für diese Begegnung, nehme ich meinen Weg zwischen den Bäumen zurück.

Vom Wind bewegte Zweige winken mir zu: Auf Wiedersehen!

Ich wünsche Ihnen und euch eine gute Woche,

Rolf-Dieter Hansmann

16. Mai

Telefonschalte – dieser Begriff begegnet uns in letzter Zeit oft in den Nachrichten und Zeitungen: Die EU-Kommissionspräsidentin berät per Telefonschalte mit den Spitzen der Mitgliedsstaaten, die Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer. Und manch einer, der zur Zeit in Home-Office arbeitet, kommuniziert auf diese Art mit Kolleginnen und Kollegen oder dem Chef. So wird auch in Zeiten von social distancing Kontakt gehalten: man kann sich beraten, Fragen klären, einander helfen … Aber nicht immer funktioniert die Schalte, manchmal bricht die Verbindung auch ab.

Das Gespräch mit Gott, das Gebet, ist gewissermaßen auch so eine Telefonschalte – eine Verbindung, die von Gottes Seite immer geschaltet ist.

Gott lädt uns ein, mit unserem Gebet zu ihm zu kommen. Mit ihm können wir reden. An ihn können wir uns wenden mit unserer Klage und unserem Jubel, mit unserer Traurigkeit und unserer Freude. Gott will uns die Erfahrung schenken, dass das Beten die enge Welt unserer eigenen Wünsche weit und offen macht, dass Beten unser Leben gelingen lässt. Dass Gott uns hört und versteht, das hilft uns leben; das macht es uns leichter, unsere Wege zu gehen – in dunklen, schweren Zeiten voller Unsicherheiten und Unwägbarkeiten ebenso wie in lichten, frohen.

Oft aber bleiben wir stumm. Oft schweigen wir und kein Gedanke geht zu Gott hin. „Seid beharrlich im Gebet …“ fordert der Apostel Paulus uns auf (Kolosser 4, 2). Doch häufig vergessen wir im Getriebe des Alltags einfach, mit Gott im Gespräch zu bleiben. Dann ist es gut, daran erinnert zu werden. Es gibt dazu sogar eigens einen Sonntag im Kirchenjahr. Rogate heißt der morgige Sonntag – zu deutsch: Betet. 

Tun wir es! Beharrlich. Die „Schalte“ jedenfalls steht …!

Herzlich grüßt Sie

Ihr Pfarrer Matthias Piontek

15. Mai

Wir fahren wieder hoch.

Jetzt wird alles wieder hochgefahren. Von den Friseurgeschäften angefangen über Kitas und Schulen bis hin zu Restaurants. Natürlich alles mit Hygienemaßnahmenkonzepten. Wir fahren wieder hoch.

„Und als die Jünger Jesus nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern.“(Apg1) 

Na, ob das gut geht? So einfach in den blauen Himmel schauen und zusehen, wie Weisheit, Sanftmut und Menschenfreundlichkeit in der Weite des Himmels verschwinden? Man traut sich ja gar nicht die Bilder der Demos gegen die Corona-Maßnahmen anzuschauen. Da entlädt sich der geballte Hass gegen alle, die verantwortungsvoll mit der Corona-Krise umzugehen versuchen. Man mag gar hinschauen, wie Menschen von allen guten Geistern verlassen, Weisheit, Sanftmut und Menschlichkeit über Bord werfen.  

Während die Jünger in den Himmel schauen werden ihnen die Worte Jesu noch in den Ohren klingen: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen.“(Apg 1) 

Diese Kraft spendet alles, was wir brauchen, um ehrlich, friedvoll und achtsam miteinander umzugehen. Die Welt braucht diese Kraft. Deshalb wenden die Jünger ihren Blick vom Himmel zu den Menschen. Die Männer in Weiß helfen nach. Manchmal brauchen wir Engel. Wir müssen die verstörenden Bilder der Demonstrationen ansehen und gegenüber diesen Entgleisungen Haltung beziehen. Wir haben die Kraft des Geistes und können mit Weisheit, Sanftmut und Menschenfreundlichkeit Momente des Friedens schaffen und aufklären. 

Wir fahren wieder hoch, aber wir sollten nicht auf skurrile Verschwörungstheoretiker abfahren. Wir bleiben auf dem Boden, weil hier die Kraft des Heiligen Geistes auch durch uns wirkt. 

Ihr Martin Staemmler-Michael

14. Mai

„In der Welt wird man euch hart zusetzen...“ (Joh 16,33)

In der Schlange vor Kaufland:

Ein Paar vor mir diskutiert. Er liest eine Nachricht vom Handy vor. Es geht um die Übernahme der Macht mithilfe von Corona. Nur Minuten später kommt von hinten die nächste Erklärung: Corona wird nicht über Menschen, sondern anders übertragen.

Diese und viele andere Meinungen, Erklärungen und Thesen werden gerade verbreitet. Bis vor wenigen Wochen lebten wir mit dem Gefühl „Wir haben alles im Griff!“ Doch jetzt erleben wir ein Ausgeliefertsein, dass viele verunsichert. Wir Menschen brauchen Halt und Antworten. Aber einfache und 1000mal weitergeleitete Antworten geben keinen Halt.

Wir sind alle gefragt: ganz genau hinzuschauen und scharf zu differenzieren!

Hass und Antisemitismus dürfen keinen Platz haben.

Echte Fakten sind gefragt und keine Fake News.

Und natürlich können wir die aktuellen Maßnahmen kritisch hinterfragen.

Die Bibel zeigt die vielen Facetten des Lebens, schenkt Hoffnung und ermutigt uns: In der Welt wird man euch hart zusetzen, aber verliert nicht den Mut: Ich habe die Welt besiegt!«

Ihre Pfarrerin Angela Langner-Stephan

13. Mai

Corona bestimmt das Leben weltweit
Und doch gibt es das ganz Individuelle, was sich vordrängelt.
Ich lerne für das Examen der Prädikantenausbildung – „Theologie fürs Ehrenamt“.
2 ½ Jahre Auseinandersetzung mit der Wissenschaft Theologie.
Der persönliche Glaube distanzierte sich oft, aber der Zweifel gehört ja irgendwie auch dazu:
Zum Glauben, zur Wissenschaft, für Viele auch zu Corona.
Das darf er auch, wenn er sich nicht „festbeißt“ und nur noch die eigene Meinung die „einzig wahre“ ist.
-„Wollen Sie auch ein Wort zum Tag schreiben?“ 
-„Oh ja, gerne.“
Ich schlage die Losungen auf, die Bibel, die Sammlung der tausend Sprüche.
Überall springt mich nur an, was ich NOCH NICHT GELERNT habe.
 
Das bevorstehende Examen drückt. Ich ningle rum.
Und schäme mich, weil ich ja eigentlich nichts auszustehen habe. 

Keine Existenzangst.
Keine kleinen Kinder mehr, mit denen ich Online-Schule machen, sie ganztägig bei Laune halten muss, die Natur nur wenige Meter vor der Haustür.

Ich mache das Radio an. Ein Lied von früher (1993 ! Voriges Jahrhundert also ! ) wird gespielt. 
Herbert Grönemeyer: Land unter.

Ich erinnere mich, summe mit,  höre die Worte:

… Elemente duellieren sich, du hältst mich auf Kurs …
… Kämpf' mich durch zum Horizont, denn dort treff' ich dich …

… Mach die Feuer an, damit ich dich finden kann …
… Übernimm die Wacht, bring mich durch die Nacht …
… Rette mich durch den Sturm …
… Fass mich ganz fest an, dass ich mich halten kann…
… Und ist´s  auch sinnlos - soll's nicht sein - ich geb dich nie verloren

Und ich sage „JA“ und ich sage „DANKE“.  - Gott spricht mit mir.  - Und wenn ich die Losungen, die Bibel, die Sprüche mal traurig oder ratlos zur Seite lege, 

dann singt er mir Mut zu – wenn´s sein muss, auch über den „Oldie-Sender“.

Wenn sich die Elemente duellieren, wenn Glaube und Zweifel, Wissenschaft und Besserwissen sich in den Haaren liegen – dann - fasst er mich an, dass ich mich halten kann. Mögen auch Sie das immer wieder spüren!      

Ihre/Eure Claudia Krenzlin

Land unter

Der Wind steht schief
Die Luft aus Eis
Die Möwen kreischen stur
Elemente duellieren sich
Du hältst mich auf Kurs
Hab keine Angst vor'm Untergehen
Gischt schlägt ins Gesicht
Kämpf' mich durch zum Horizont
Denn dort treff' ich dich

Geleite mich heim
Rauhe Endlosigkeit
Bist zu lange fort
Mach die Feuer an
Damit ich dich finden kann
Steig zu mir an Bord
Übernimm die Wacht
Bring mich durch die Nacht
Rette mich durch den Sturm
Fass mich ganz fest an
Dass ich mich halten kann
Bring mich zu Ende
Lass mich nicht wieder los
Bring mich zu Ende
Lass mich nicht wieder los
 
Der Himmel heult
Die See geht hoch
Wellen wehren dich
Stürzen mich von Tal zu Tal
Die Gewalten gegen mich

Geleite mich heim
Rauhe Endlosigkeit
Bist zu lange fort
Mach die Feuer an
Damit ich dich finden kann

Bist du ozeanweit entfernt
Regen peitscht von vorn
Und ist auch sinnlos
Soll's nicht sein
Ich geb dich nie verloren

Lass mich nicht wieder los
Bring mich zu Ende
Lass mich nicht mehr los
Lass mich nicht mehr los
Lass mich nicht mehr los

Quelle:LyricFind Songwriter: Herbert Grönemeyer

12. Mai

Es ist Frühling. Eng umschlungen oder Händchen haltend, etwas abseits wild küssend, sich im Restaurant tief in die Augen schauend, trifft man normalerweise auf frisch Verliebte. Je nachdem, wie es einem selbst gerade geht, kann man sich mitfreuen oder bildet die Frage im Kopf, ob diejenigen denn kein Zuhause hätten. Doch langsam wandeln sich ihre Gefühle, die Verliebtheit geht zurück und wird hoffentlich ersetzt durch etwas Tieferes. Eine Liebe, die reicher wird an Erkenntnis und Urteilsvermögen. Eine Liebe, die die eigenen Grenzen kennt und dem anderen das Beste wünscht und tut. Eine Liebe, die Verletzungen vermeidet und verzeiht. Eine Liebe, die ein Zeichen gegen den Hass und für das Gemeinwohl setzt. Eine Liebe, die die Angst nehmen kann und befreit. Die Liebe, die Gott uns Christinnen und Christen schenkt und die wir weitergeben sollen. Das wünscht Paulus seiner Gemeinde in Philippi (Phil 1,9f.).
 
Das wünsche ich uns in diesen Zeiten.
 
Herzliche Grüße

Nicole Oesterreich

11. Mai

Wenn ich in diesen Tagen versuche, voraus zu schauen, kommt mir immer wieder ein Lied aus meiner Jungen Gemeindezeit in den Sinn: „Halte deine Träume fest“ von Eugen Eckert. Es wird Sommer, das spüre ich in jedem Atemzug. Vor uns liegt die für viele schönste Zeit des Jahres, und noch nie war sie so ungewiss wie jetzt. Wir sind es gewöhnt, die Dinge im Griff zu haben, wir wollen planen und träumen, wir brauchen Perspektive und Zukunftsaussichten, um im Jetzt geborgen, standhaft und sicher zu sein und unseren Alltag zu meistern. Doch für viele ist die Frage nach Freiheit, nach Erholung, nach dem lang ersehnten Ausbrechen aus den eigenen vier Wänden zum Luxusproblem geworden. Vielleicht verbietet sie sich sogar in diesem Jahr aufgrund ganz anderer existenzieller Nöte. Und selbst wenn wir sie uns noch leisten können: Wir wissen nicht, welche Freiheit wir in diesem Sommer haben werden. Also festhalten an der lang erträumten Reise? Oder hinschmeißen? Jedes Mal, wenn mir klar wird, dass diese Entscheidung gefällt werden muss, höre ich es in mir wieder und wieder klingen: „Halte deine Träume fest, lerne sie zu leben. Gegen zuviel Sicherheit, gegen Ausweglosigkeit: Halte deine Freiheit fest.“ 

Ich werde nicht stornieren. Ich glaube an unsere Freiheit.

Herzliche Grüße

Johanna Stein

9. Mai

Kantate! Singt! So fordert uns der morgige Sonntag auf. 

„Singet dem HERRN ein neues Lied, denn ER tut Wunder.“ (Psalm 98, 1)

Was heißt das: „Singet dem HERRN ein neues Lied…“? Was ist mit „neuen Liedern“ gemeint?                                                                                                           Das können Lieder aus den neuen Gesangbüchern sein, Lieder von Kirchentagen, Taizé-Gesänge...  Aber, so denke ich, auch die aufsNeue gesungenen alten Lieder sind die neuen Lieder, die der Psalm meint. Denn im jeweiligen Augenblick des Erklingens ist Musik, ist Gesang, immer wieder neu, immer wieder aktuell.                                                                                                          Und auch dies kann es bedeuten: jeden Tag mit seiner eigenen Melodie annehmen. An guten Tagen frohe Lieder, in Momenten des Glücks einen spontanen Dank. Und ist es ein dunkler Tag für mich, bedrückt mich etwas, habe ich Sorgen und Angst, dann findet auch mein Klagelied ein offenes Ohr bei Gott.                                                                                                                                       Ein neues Lied singen heißt auf die Melodie und den Rhythmus der verschiedenen Lebenssituationen achten und die eigene Stimme mit einbringen. Töne können ausdrücken, was mit bloßen Worten nicht zu sagen ist: Glück, Freude und Hoffnung – aber auch Trauer, Angst und Schmerz. 

„…denn ER tut Wunder.“ Es gibt sie, die Wunder! Und sie zeigen sich nicht vorrangig darin, dass Naturgesetze durchbrochen werden. Nein, dazu gehört ja z.B. auch das Wunder der Liebe, das Wunder der Schöpfung – und überhaupt das Wunder des Lebens. Dazu gehört ebenso, dass Gott uns Kraft und Mut gibt auch schwierige Zeiten zu bestehen.

Kantate! Singt! Das ginge wohl auch mit Mundschutz. Doch gemeinsam dürfen wir das in den Gottesdiensten in dieser Corona-Zeit (noch) nicht tun. Dennoch soll morgen in unseren Kirchen Gottes Lob erklingen. Im Gottesdienst in der Bethanienkirche kann das sogar gemeinschaftlich geschehen – auf andere, neue Weise – wenn viele dazu einen „Klangkörper“ mitbringen. Der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt…! 

Ein klangvolles Wochenende wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Matthias Piontek

8. Mai

Die Schwiegermutter Simons aber lag darnieder und hatte das Fieber; und alsbald sagten sie Jesus von ihr. Und er trat zu ihr, ergriff sie bei der Hand und richtete sie auf; und das Fieber verließ sie. (Markus 1,30f.)

Sie starrt an die Decke.
Es ist still und das schon so lange.
Bittere Einsamkeit.
Eigentlich müsste sie aufstehen. Aber sie kann nicht. Sie will nicht.
Wozu auch?
Doch dann kommt jemand.
Erst hört sie ein unbestimmtes Geräusch von draußen.
Dann Schritte auf dem Flur.
Die Tür geht auf und ER tritt ein.
Endlich.
Und er hat süße Erdbeeren mitgebracht.
Mit diesen Gedanken zur Tageslosung grüße ich Sie

Ihr Pfarrer Dr. Sebastian Ziera

p.s.: Vergessen Sie die Erdbeeren nicht!​

7. Mai

Nun laufen wir mit Mundschutz in Geschäften herum und in der Bahn. Man sagt uns, der würde vor allem den anderen nützen, die wir nicht anstecken sollen. Die Viren in unserem Atem werden abgefangen. Das ist gut: Ich will nicht schuld sein, dass ein Mensch durch mich krank wird, auch wenn ich es vielleicht niemals erfahren würde. Das ist eine Sache von Verantwortung, im Grunde eine Art anonyme Nächstenliebe. Das Krankmachende kommt aus dem Inneren und soll gestoppt werden. Das erinnert mich an einen Hinweis, den Jesus gegeben hat. „Was aus dem Munde herauskommt, das kommt aus dem Herzen, und das macht den Menschen unrein.“ (Matthäus 15,18)

Ja, auch die Worte, die wir reden, können krank machen, uns infizieren mit bösen Gedanken. Unser Reden ist immer auch vermischt mit unseren Gefühlen, die wir gegenüber unserem Gesprächspartner hegen, also Ärger, Verachtung, Spott, Überlegen-heitsgefühl usw. Und was einmal raus ist, können wir nicht wieder zurückholen. Ich überlege, wie ein Mundschutz für solche Fälle aussieht… Haben Sie eine Idee? 

Es grüßt Sie, Ihr Günther Jacob

6. Mai

WIR BRAUCHEN EINE PERSPEKTIVE!

Dieser Satz wird immer wichtiger. Die Mutter, die seit Wochen mit ihren kleinen Kindern zu Hause ist, kommt ans Ende ihrer Kraft. Der Gastwirt kann die verordnete Schließung nicht mehr lange durchhalten. Viele fürchten um ihren Arbeitsplatz. Sie und wir alle brauchen dringend eine Perspektive, die uns Hoffnung und Kraft gibt. 

Besonders gefragt und gefordert sind dabei unsere Politiker. Heute kommen sie wieder auf höchster Ebene zusammen, um über weitere Lockerungen des Lockdowns zu entscheiden. Sie müssen zwischen den gesundheitlichen Risiken durch das Coronavirus und den wirtschaftlichen, sozialen und nicht zuletzt auch psychischen Folgen seiner Bekämpfung abwägen. Was ist nötig, was ist möglich? Eins greift ins andere. Es ist kompliziert. Zu Risiken und Nebenwirkungen...

...lässt sich keine letzte Sicherheit gewinnen. Und doch muss gehandelt werden! Wie kann allen ausreichend geholfen werden? Und was ist „ausreichend“? 

Die Erwartungen an den Staat sind riesig. Seine Mittel sind groß, aber nicht unbegrenzt. Enttäuschungen werden unausweichlich sein. Das ist ein kritischer Punkt für unsere Gesellschaft. Finden wir in dieser Situation zu mehr Solidarität? Oder wird sich die Stimmung verdüstern und die Spaltung weiter vertiefen?

Hier geht es um unsere innere Perspektive...

...Perspektiven haben immer eine äußere und eine innere Dimension: das, was vor uns liegt, und das, was in uns liegt und unsere Sichtweise bestimmt. Wir sehen nicht nur mit unseren Augen, sondern auch mit unserem Herzen.

Dabei spielt der Glaube eine wichtige Rolle. Das Entscheidende an ihm sind nicht bestimmte Ideen und Vor-Stellungen, sondern der Geist und die Ein-Stellung zu dem, was uns im Leben begegnet. Die Geistkraft Gottes kann unsere Enttäuschung in Mitverantwortung, unsere Bitterkeit in Mitgefühl und unsere Angst in Lebensmut verwandeln. Die Perspektive des Glaubens tut gut.

Herzlichst,

Ihr Heinz Schneemann

5. Mai

Wissen Sie, dass der heutige Tag – der „Internationale Tag der Handhygiene“ ist?

Ich bin auch erst beim Suchen im Internet darauf gestoßen. Dieser Tag geht auf eine Initiative der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 2009 zurück. Damit sollte das Personal im Gesundheitswesen für die Notwendigkeit der Handhygiene sensibilisiert werden.

Seit einigen Wochen gehört das für uns alle zum Alltag! Beim Einkauf, der Arbeit und auch in der Kirche – erst Hände desinfizieren und dann eintreten. Übrigens hat man den 5. Mai gewählt, weil das Datum die fünf Finger beider Hände symbolisiert.

An Tagen vor Corona haben wir vielen Menschen die Hand gegeben und sind mit ihnen in Kontakt gekommen. Jetzt bleibt nur winken, Abstand halten und ?

Dazu habe ich eine Idee: Meine 5 desinfizierten Finger können mich erinnern zu 5 Menschen Kontakt aufzunehmen – das geht in diesen Tagen trotzdem: am Telefon, auch ein kurzes Gespräch über die Türsprechanlage, per Brief oder mail.

Ja, Hygiene ist jetzt wichtig (und auch Abstand), aber damit ist nicht soziale und Kontakt-Desinfektion gemeint: 1, 2, 3, 4, 5 !

Einen schönen Tag,

Pfarrerin Langner-Stephan

4. Mai

Monument der Ehernen Schlange auf dem Berg Nebo in Israel (John Romano D‘Orazio / CC BY-SA 4.0)

„Ja, auf dich, HERR, mein Herr, sehen meine Augen; 
ich traue auf dich, gib mich nicht in den Tod dahin.“ (Ps 141,8)

„Was ist das für ein Zeichen?“ fragt mich meine Tochter und zeigt auf die um einen Stock gewundene Schlange an der Seite eines Krankenwagens, der an uns vorüber fährt. Dieser sogenannte Äskulapstab kommt aus der griechischen Mythologie, aber Juden und Christen dürfen sich dabei auch an die biblische Geschichte von der „ehernen Schlange“ (nachzulesen im 4. Buch Mose 21,4–9) erinnert fühlen. Das Volk Israel war über seine Unzufriedenheit krank geworden und viele starben, bis Mose im Auftrag Gottes eine Schlange aus Kupfer an einem Stab aufrichtete. Jeder der sie ansah, wurde gesund. Die eherne Schlange wurde zu einem Symbol für Zuwendung, Zuversicht und Zukunft – einem Hoffnungszeichen.

Es gibt diese Hoffnungszeichen Gottes auch hier und heute bei uns: ein blühender Obstbaum, ein Kinderlachen, ein Regenbogen am Himmel... – sicherlich entdecken Sie noch viele mehr. Halten Sie doch heute und in den nächsten Tagen mal die Augen danach offen!

Eine gesegnete Woche wünscht

Ihr Konstantin Enge

2. Mai

„WEINEN, KLAGEN, SORGEN, ZAGEN“ – so ist eine Kantate Johann Sebastian Bachs für den Sonntag Jubilate betitelt. (BWV 12). „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen, Angst und Not sind der Christen Tränenbrot…“ heißt es da. Merkwürdig! Wie passt das denn zur Aufforderung des Sonntags zu jubeln, zu jauchzen und zu jubilieren? Einerseits kann das also verwundern, andererseits erscheint der Kantatentext in diesem Jahr gar nicht so unpassend. Das Corona-Virus dominiert alle unsere Lebensbereiche: Die einen leben in Angst, sich anzustecken. Andere sorgen sich, in Not zu geraten durch die wirtschaftlichen Folgen. Manch einer hat Grund zum Weinen und Klagen. Viele ängstigen sich und sind verzagt. Aber muss das so bleiben?                                                                                                                                                   Der Text der Kantate nimmt Gedanken aus den Abschiedsreden Jesu auf (Joh. 16). „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: ihr werdet weinen und klagen“ sagt Jesus zu seinen Jüngern, „ihr werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden.“

Traurigkeit wird sich in Freude verwandeln. Deshalb verharrt die Kantate auch nicht beim Weinen, Klagen, Sorgen und Zagen, sondern zeichnet den Weg hin zur Freude nach. Bach hat den Prozess der Verwandlung in feinsinniger Weise meisterhaft in Musik umgesetzt! Den Wendepunkt markiert die Tenor-Arie, in der es heißt: „… alle Pein wird doch nur ein Kleines sein, nach dem Regen blüht der Segen…“ – dazu erklingt instrumental die Choralmelodie „Jesu, meine Freude“.                                                                                                                                       

Wenn Sie sich die Kantate einmal anhören wollen: im Internet sind mehrere Aufnahmen zu finden. Und für Frühaufsteher gibt es die Bachkantaten sonntags um 6.30 Uhr auf mdr-Kultur.

Der Schlusschoral schließlich bringt das Vertrauen in Gottes Führung zum Ausdruck: 

Was Gott tut, das ist wohlgetan, dabei will ich verbleiben.
Es mag mich auf die raue Bahn Not, Tod und Elend treiben.
So wird Gott mich ganz väterlich in seinen Armen halten:                                                              
Drum lass ich ihn nur walten.

Dieses Vertrauen in Gottes Führung wünsche uns allen!

Pfr. Matthias Piontek

1. Mai - Tag der Arbeit

Sie sitzt da

Am Schreibtisch

Jeden Tag

Seit 6 Wochen

Erledigt Ihre Aufgaben

Deutsch, Latein

Fragt bei einer Freundin nach

Mathe, Chemie

Sucht im Internet

Biologie, Geschichte

Erarbeitet eine Präsentation

Musik, Sport

Endlich aufstehen, bewegen

Physik, Englisch

Alles ins Heft abgeschrieben

Informatik, Geographie

Gleich ist es geschafft!

Sie legt den Füller zur Seite

schaut zum Fenster heraus

und träumt:

- vom Quatschen mit den Freundinnen

- vom Lachen mit der Klasse

- vom Unterricht und den Lehrer*innen

- vom ……..

Sie freut sich auf den Tag, wenn sie wieder in die Schule gehen kann!

Solange das noch nicht geht, entdeckt sie neue Vorlieben: Backen, Tischtennis und geduldig sein!

„… dass ein Mensch fröhlich sei in seiner Arbeit; denn das ist sein Teil.“ Prediger 3,22

30. April

Meine kleine Zuversicht

Der Duft von Flieder am ersten lauen Sommerabend umhüllt mich, während ich nach einem langen Arbeitstag in der Dämmerung mit dem Fahrrad durch den Park sause. Ich bin auf dem Weg nach Hause. Das Lob von den Chefs hallt noch nach in meinem Kopf. Zu Hause empfängt mich der frisch bepflanzte Balkon mit dem satten Grün von Basilikum, Tomaten und Erdbeeren. Auf dem Abwasch steht noch der Puddingbecher. Es ploppt die Erinnerung an eine lächelnde Schokoschnute auf zusammen mit einer kleinen Sehnsucht nach ihr.

Ich lasse mich nieder. Sonnenuntergang-Großstadtruhe. Einmal aufatmen in diesem Corona-Wahnsinn zwischen Kinderbetreuung, Homeoffice, Überstunden und Freunde vermissen. Große Dankbarkeit und Ruhe macht sich in mir breit.

Das Gefühl könnte im heutigen Lehrtext aus dem 1. Johannesbrief (3,21–22b) gemeint sein, wo es heißt: „Geliebte, wenn unser Herz uns nicht verurteilt, haben wir Zuversicht zu Gott, denn das was wir erbitten, bekommen wir von ihm.“ 

Danke, Gott für diesen Moment der Zuversicht und Freude in diesen seltsamen Zeiten!

Herzliche Grüße

Nicole Oesterreich

29. April

„Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu!“

Prediger Salomo 9, 10 - Herrnhuter Losung für den heutigen Tag 

Was für ein Typ sind Sie, was die Zukunft betrifft? Sind Sie ein Planungsfreak, der am liebsten jetzt schon weiß, was er heute in einem Jahr tun wird? Ich habe von reisenden Dirigenten gehört, die wissen bereits, an welchem Abend in 5 Jahren sie irgendwo auf der Welt vor welchem Orchester stehen und welches Werk sie dirigieren werden. Brrrr!!!, aber wohl nötig. Seit ich im Ruhestand bin, kann ich leichter den Rat des Predigers befolgen und gespannt erwarten, was der nächste Tag bringen wird. Das gibt mir selbst Freiheit, aber ich kann auch spontaner reagieren, wenn jemand ein Anliegen an mich hat. Vor allem meint der Prediger aber wohl, dass der Einzelne gar nicht in der Lage ist, sein Leben lange im Voraus zu planen.

Auch wenn er Gott hier gar nicht erwähnt, will er uns wohl ermutigen, uns von Gott leiten und überraschen zu lassen; und dass wir bereit sind, Herausforderungen, vor die er uns stellt, anzunehmen und das, wozu unsere Kraft ausreicht, gern zu tun. Das ist nicht die schlechteste Lebensmaxime, finde ich. 

Herzliche Grüße von Günther Jacob

28. April

Die Seele auf Intensivstation

Im Spannungsfeld zwischen der Gesundheit, die über alles geht und dem Recht auf freie Religionsausübung, feierte ich am Sonntag Gottesdienst. Ich kam mir mit all den Hygienevorschriften und vermummten Besuchern vor, als stünde ich am Eingang einer Intensivstation. 

Wenn die Seele eine intensive Betreuung braucht, dann ist Gott da.

In deine Hände befehle ich meinen Geist, Herr, du hast mich erlöst, spricht der Beter aus Psalm 31 händeringend.

Er ist hin und her gerissen zwischen weiten Räumen und engen Gassen. Zwischen Grillpartys mit Freunden und Ausgangsbeschränkungen in einer 3-Zimmerwohnung ohne Balkon mit seiner Frau im Homeoffice und drei Kindern. 

Sind unsere Hände leer, weil wir den Alltag nicht in gewohnter Weise bewegen können?

Ist unser Verstand müde, weil wir nach dem Begreifen suchen?

Ist unser Herz verwirrt, weil Angst und Sorge größer sind als die Dankbarkeit?

In deine Hände befehle ich meinen Geist, Herr, du hast mich erlöst. Wie sieht Erlösung aus? Ich weiß es nicht, aber ich will sie mit Ihnen suchen.

Ein erster frommer Versuch:

Die Hände sind nicht leer, weil Gott sie mit seiner Zuversicht füllt. Wir sind nicht verloren.

Der müde Verstand findet Geborgenheit, weil wir mit Gott getrost loslassen dürfen.

Verwirrte Herzen dürfen in Freiheit ins Leben gehen, weil noch ein Stück des Weges vor uns liegt.

Denn der Beter spricht auch: Du stellst meine Füße auf weiten Raum.

Ihr Martin Staemmler-Michael

27. April

„Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (2Kor 12,9)

Ich fühle mich an manchen Tagen während der aktuellen Krise sehr schwach. So viele neue Herausforderungen sind zu bewältigen, so viele schwere Entscheidungen zu treffen. Wo muss dem Infektionsschutz der Vorrang eingeräumt werden, wo anderen lebensnotwendigen Bedürfnissen, wie dem nach Freiheit und Gemeinschaft? Und die Konsequenzen reichen so weit... Manchmal kommt es mir vor wie ein langer und schwerer Weg durch ein Labyrinth, in dem man gerade bis zur nächsten Abbiegung sehen kann.

Dann wende ich mich Gott zu und erkenne, er hat sich mir längst zugewandt. Den Weg zu ihm muss ich nicht suchen und bewältigen, er ist ihn selbst schon bis zu mir gegangen. In seiner Nähe kommt es nicht auf meine Kraft an, steht nichts auf dem Spiel, bin ich bedingungslos geliebt. Das ist Gnade – und gerade in dieser Zeit der Schwachheit eine ungeheuer kraftvolle Erfahrung!

Eine gesegnete Woche wünscht

Ihr Konstantin Enge

25. April

Diese Kinderzeichnung habe ich unlängst an einer Haustür in der Könneritzstraße entdeckt. REGENBOGEN GEGEN CORONA hat eine kleine Alice in ihrer Kinderschrift geschrieben und einen bunten Regenbogen dazu gemalt. Auch an anderen Stellen in Schleußig sind solche Bilder zu finden. Es ist eine „Aktion von Kindern für Kinder“, wie erklärend dabeisteht. Eine schöne Idee! Der Regenbogen, der mit seiner Form ja gewissermaßen eine Brücke schlägt, ist ein gutes Symbol für Zusammenhalt und Verbundenheit. Auch in der Bibel hat der Regenbogen eine besondere, ähnliche Bedeutung: er ist Zeichen des bleibenden Verbundenseins Gottes mit den Menschen. „Meinen Bogen setze ich in die Wolken; er soll das Zeichen des Bundes sein zwischen mir und der Erde.“ sagt Gott (1. Mose 9,13). Der Regenbogen steht für den Bund, den Gott nach der Sintflut mit der ganzen Menschheit auf Erden geschlossen hat. Gott hat versprochen, sie nicht mehr auszulöschen – weder durch eine Naturkatastrophe noch durch einen Virus. Ein tröstliches Versprechen. Und sehr aktuell.

Schon in alter Zeit haben Christen die Farben des Regenbogens so gedeutet:
Rot - die Farbe der Liebe. Gott liebt Dich!
Orange - die Farbe der Hoffnung. Du darfst immer Hoffnung haben!
Gelb - die Farbe der Ewigkeit. Durch Jesus hast Du eine Zukunft über den Tod hinaus!
Grün - die Farbe des Wachstums. Gott sorgt für Dich!
Hellblau - die Farbe der Wahrheit. Gottes Wort ist die Wahrheit!
Dunkelblau - die Farbe der Treue. Gott steht zu seinem Bund!
Violett - die Farbe der Buße und Versöhnung. Gott vergibt Dir Deine Schuld.

Sollte es in nächster Zeit regnen und ein Regenbogen entstehen, dann schauen Sie ihn an und denken Sie daran, dass Gott da ist und für uns sorgt. Er hat es uns zugesagt – „und was er zusagt, das hält er gewiss.“ (Psalm 33, 4) 

Herzlich grüßt Sie mit guten Wünschen

Ihr Pfr. Matthias Piontek

24. April

Die ganze Nacht rattert es über unseren Köpfen. Wir sitzen im Luftschutzkeller. Am Vormittag  stehe ich Sechsjähriger mit anderen Kindern am Johannisplatz. Dort sind die Amerikaner mit ihren Jeeps. Sie schenken uns Kindern Süßigkeiten.

Es ist der 18. April vor 75 Jahren. Der faschistische Terror ist besiegt. Die Städte liegen in Schutt und Asche. Von einem der heftigsten Luftangriffe drei Jahre zuvor, überdeckt ein hellroter  Himmel in dieser Brandnacht, alle zurückliegenden Eindrücke meiner Kinderseele. Wir mussten in den nahe gelegenen Bunker.

Die niederländische Jüdin Etty Hillesum (1914-1943) schreibt von einem anderen als dem von Menschen verursachten Kriegs -Himmel.: „Wenn uns nur eine enge Straße bliebe, wodurch wir gehen dürfen, über dieser Straße steht dennoch der ganze Himmel.“ Wir kommen von Ostern her. Jesus hat mit seinem Leben und Sterben den Himmel Gottes geerdet. Für uns. Für die ganze Menschheit. Eine orthodoxe Oster-Ikone zeigt, wie der auferstandene Christus Adam an seiner Linken und Eva an ihrer Rechten aus dem Grabe zieht. Was Gott an Jesus mit seiner Auferstehung vollzog, vollzieht sich auch an uns, wenn wir sterben. 

Der ganze Himmel Gottes steht offen für uns. Nun leben wir in immerwährender Osterzeit. Mit Christus können wir in alles hinein,  aus allem heraus und durch alles hindurch gehen. 

Ich grüße sie herzlich,

Rolf-Dieter Hansmann

23. April

HEITER SCHEITERN

Wann ist mir das letzte Mal ein Fehler passiert und ich habe …

... mich fürchterlich über mich selbst geärgert?

… versucht, den Fehler zu vertuschen?

… anderen die Schuld in die Schuhe geschoben?

Das sind ganz natürliche Reaktionen. Wir sind Menschen und leben in einer Kultur, wo Fehler ein Makel darstellen und unser Image schädigen. Jesus hat sich mit Schülern umgeben, die nicht unsere heutigen Qualitätsmerkmale für Leiter*innen hatten: Da waren welche mit derben Umgangston. Die meisten hatten keine akademische und rhetorische Ausbildung. Sie waren untereinander eifersüchtig. Sie stritten darum, wer der Wichtigste und Beste war. Sie wollten in ihrem Ärger Feuer vom Himmel regnen lassen. 

Jesus ließ sie heiter scheitern, aber er ließ sie nicht damit alleine: Fehlerfreundlichkeit heißt bei ihm nicht „übersehen“, sondern miteinander konstruktiv-kritisch, ermutigend, aufbauend und vergebend unterwegs zu sein. So sind Leitungspersönlichkeiten aus ihnen geworden. 

Das ist Gottes Sicht der Gnade und Barmherzigkeit mit uns: 
„Heiter Scheitern“ und darin die Chancen zur Weiterentwicklung nutzen.

Volker Klein

22. April

„Prüft alles, und das Gute behaltet“  (1. Thessalonicher 5, 21)

Hallo, ihr da draußen!

Die Corona-Pause hat mich auf den Gedanken gebracht, mir mal meine alten Schallplatten vorzunehmen. Lange hatte ich kaum mal eine LP auf den Plattenteller gelegt. Ich war überrascht, welche Scheiben mich beim Anblick des Covers wie alte Bekannte gegrüßt haben, die ich zwar aus den Augen, aber nicht aus dem Herzen verloren hatte. Bei anderen war ich überrascht, dass ich sie überhaupt besitze. Irgendwie war damals beim Anhören der Funke nicht übergesprungen und sie waren ganz aus dem Gedächtnis verschwunden. Jetzt habe ich beschlossen, nur die noch aufzuheben, die mir aus verschiedenen Gründen an’s Herz gewachsen sind: Weil sie mir von einem lieben Freund geschenkt wurden, weil ich damit eine bestimmte Lebenssituation verbinde, oder weil die Musik mich mit voller Wucht „erwischt“ hat. Der Ratschlag des Apostels Paulus „Prüft alles, und das Gute behaltet“ fiel mir dabei ein. Er bezieht sich freilich nicht nur auf’s Aufheben oder Weggeben von Materiellem. Die jetzige Krise ist auch die Chance, sich zu fragen, was das wirklich Wesentliche im Leben für mich ist und ob ich mich nicht stärker als bisher darauf konzentrieren soll. Bonhoeffer hat fest geglaubt, dass Gott aus allem, auch aus dem Misslichsten, Gutes erwachsen lassen kann. Ein Choral sagt es so: „Und was euch noch gefangen hält, o werft es von euch ab…“ und „Nun aufwärts froh den Blick gewandt und vorwärts fest den Schritt! Wir gehn an unsers Meisters Hand, und unser Herr geht mit.“

Herzliche Grüße Euer Günther Jacob

21. April

Nun endlich wächst es …

Wachet, steht im Glauben, seid mutig und seid stark! 

1.Korinther 16,13

Vor vier Wochen haben wir unseren Hof umgegraben. Steine, Unrat und Schutt herausgelesen. Gras gesät und gewässert. Es war eine ganz schöne Plackerei. Und noch dazu der zweite Versuch. Ein erstes Häckeln und Einsäen hatte keinen Erfolg. Warum tun wir das? Nichts verpflichtet uns, weder der Mietvertrag, noch ein Versprechen. Aber mich stört ein schuttgrauer Hof. Und außerdem ist der Hof ein Teil meines Wohn- und Lebensortes und den will ich mitgestalten. Und: Es macht sich ja nicht von allein. Und nun wächst es, das Gras: Anfangs unscheinbar und dünn. Aber heute schon können wir das Grün von unserem Balkon aus sehen.

Ja, es wird schön werden. Und warten Sie nur ab, wenn erst die Blumen blühen!! Der Hof, das Gras, die Steine und die Aussicht können ein Sinnbild sein für unsere zu gestaltenden Lebensräume. Auch das macht sich ja nicht von allein.

Bleiben Sie behütet, mutig und stark

Ihr Pfarrer Dr. Sebastian Ziera

20. April

„Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin.“ (1Kor 13,12)

„Hallo Oma!!!“ rufen meine Kinder vor dem Laptop sitzend, als der schon zur Routine gewordene Videotelefon-Termin mit den Großeltern beginnt. Man winkt sich zu, tauscht sich aus, auf der eine Seite wird das neu gemalte Bild vorgezeigt auf der anderen die gerade genähte Schutzmaske – es ist ein Glück, dass wir diese technischen Möglichkeiten haben, um in Kontakt zu bleiben. Und trotzdem ist es nur der Blick durch einen Spiegel, der die meiste Zeit des Tags dunkel bleibt. Es fehlt die Möglichkeit, sich zu umarmen, an die Hand zu nehmen oder gemeinsam in die gleiche Richtung zu blicken. Wir freuen uns auf den Tag, an dem es wieder möglich sein wird, sich von Angesicht zu Angesicht zu begegnen.

Mit meinem Glauben an Gott geht es mir oft genau so: Es ist ein Glück, dass wir Möglichkeiten haben, ihm zu begegnen. In der Natur, die überschwänglich aus dem Winterschlaf erwacht, in der liebevollen Begegnung zwischen Menschen und bald auch wieder in der Kirche. Das macht mir Hoffnung, Neugier und Vorfreude darauf, wie es sein wird, wenn ich erkenne, gleichwie ich erkannt bin.

Mit Segenswünschen für die beginnende Woche grüßt Sie

Ihr Konstantin Enge

18. April

Jesus lebt! Er ist auferstanden von den Toten. Das ist die Osterbotschaft. Unglaublich!

Wie könnten wir Jesu Auferstehung besser feiern als mit unseren Osterliedern!? Und hier ist ‚Ansteckung‘ erwünscht, denn so kann es Ostern in uns werden: wenn wir uns anstecken lassen vom österlichen Jubel. Wenn wir die Lieder singen, die den Geist von Ostern atmen: die Freude, den Jubel, das neue Leben. 

In diesem Jahr gab es keine Gottesdienste, in denen wir gemeinsam mit Vielen die Osterlieder hätten anstimmen können. Und manch einem wird vielleicht auch gar nicht nach Osterjubel zumute sein, denn die Sorgen, die das Coronavirus mit sich bringt, lassen sich ja nicht einfach so ‚wegsingen‘. Es stimmt: Das, was uns bedrückt und das Leben schwer macht, ist nicht einfach weg – trotz Ostern. Nach wie vor gibt es Angst, Schmerz und Tod in unserer Welt. Doch wenn wir die Lieder vom neuen Leben singen, dann können wir den Mund ruhig etwas voller nehmen, als es unserem Alltag entspricht und unserem Glauben, mit dem wir das Unglaubliche kaum fassen können. Auch unsere Fragen, Zweifel und Ängste können wir da mit hineinnehmen. Und das ist das Wunder: Im Singen schwindet die bedrohliche Macht der Finsternis und Ostern wird für uns wahr – mitten in unserem Leben, trotz aller Zweifel und Sorgen. Durch den Osterjubel feiern wir schon den Sieg des Lebens über den Tod.

Nehmen wir das Singen der Osterlieder hinein in unseren Alltag und singen wir an gegen die Macht des Todes! Und wer sich das Allein-Singen nicht zutraut, der kann die Melodien ja auch summen oder pfeifen. „Christ ist erstanden von der Marter alle…“, „Gelobt sei Gott im höchsten Thron…“, „Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit…“ – ein österlich-fröhliches TROTZDEM.

Herzlich grüßt Sie

Ihr Pfr. Matthias Piontek

17. April

Lasst den Kopf nicht hängen!

Es ist eine wundervolle Geschichte, die Lukas von den zwei Jüngern erzählt, die am Ostermorgen traurig ihren Weg nach Emmaus gehen und unter ihren verweinten Seelen und Augen für die Zukunft nur noch schwarzsehen. Ihre Welt ist zerbrochen.  Diesen traurigen Weg gehen sie nicht allein. Jesus, zunächst unerkannt von ihnen, begleitet sie. Behutsam, werden sie durch öffnende Fragen Jesu aus ihrer Einschränkung geholt. Sie reden sich den Kummer von der Seele. 

Das braucht Zeit, bis sie ihre Blicke wieder heben können und ihren Wegbegleiter wahrnehmen. Doch erst in den klaren und ermutigenden Worten und in der Geste des Brotbrechens erkennen sie ihren Meister. Sein Zuhören, Begleiten und die vertraute Nähe im gemeinsamen Essen führt sie aus aller ängstlichen Umklammerung. Sie sind voll Zuversicht. Sie fühlen sich frei. Jetzt beginnt für sie Ostern.  

Am Ostermorgen standen Pfr. Ziera und ich am Altar und setzten das Abendmahl ein. Wir teilten Brot und Kelch. Alles war vertraut. Doch ihr habt gefehlt, weil unsere Blicke und Bleibeorte festgehalten sind durch die Pandemie. Aber wir wissen, dass wir einen Wegbegleiter haben, der mit uns klar und deutlich in eine Zukunft geht, die solidarischer und verantwortungsbewusster gestaltet sein muss als es zuvor war.  Dann ist für alle Ostern.  

Die beiden Jünger resümieren: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete? Luk 24,32 Wenn das Herz aus Liebe zum Leben brennt, dann ist überall Ostern, wo Menschen in Würde leben können.  

Ihr Martin Staemmler-Michael

16. April

Vor einigen Jahren habe ich eine ganz besondere Ostertradition erlebt. Es ist Karsamstagnachmittag. Die Grabeskirche ist voller Menschen und ich drängele mich auch in die Kirche. Einen Schritt kann keiner mehr machen. In der Hand halten fast alle ein Bund mit Osterkerzen. Und dann geht der griechisch-orthodoxe Patriarch – nachdem er auf Streichhölzer, Feuerzeug und anderes zum Feuermachen durchsucht wurde – in das Grab Jesu. Dort betet er und mit ihm die vielen tausend Menschen. Es ist still – nur manchmal ist das Funkgerät eines Polizisten in der Menge zu hören. Die Menschen lassen sich nicht ablenken – sie schauen hin zum Grab und warten. Und dann plötzlich Jubel und dazu das Heilige Feuer. Beides breitet sich in der ganzen Kirche aus. Und die Menschen – sie sind ergriffen und reich beschenkt von dem Wunder des Heiligen Feuers. Die einzelnen Osterkerzen werden dann in Familie, Freunde und Nachbarn verteilt. Auch ich habe Heiliges Feuer in meine Wohnung zu Ostern mitgenommen.

Nach orthodoxer Tradition steht das Ende der Welt bevor, wenn das Heilige Feuer nicht vom Himmel in das Grab herabsteigt.

Auch am kommenden Samstag zum orthodoxen Osterfest 2020 wird es das Heilige Feuer geben – eben nur anders ohne Enge und viele Menschen, aber die Botschaft bleibt die gleiche!

Möge auch unser Leben durch das Osterlicht hell sein,

Ihre Pfarrerin Angela Langner-Stephan

15. April

Weniger ist (manchmal) mehr!​

Tageslosung für den 15.04.2020

„Gott hat dein Wandern durch diese große Wüste auf sein Herz genommen. Vierzig Jahre ist der Herr, dein Gott, bei dir gewesen. An nichts hast du Mangel gehabt.“ (5Mose 2,7)

Den Rucksack packen und loslaufen. Ich freue mich darauf! Direkt an Leipzig vorbei führt der ökumenische Pilgerweg von Görlitz nach Vacha: Mein persönlicher Weg. Seit Jahren ist es meine persönliche Glaubenspraxis für ein paar Tage im Jahr pilgern zu gehen. Was ich in dieser Zeit erlebe, ist Ruhe, Besinnung und ein unglaubliches Gefühl von unbeschwerter Freiheit. 

Wie wenig ich doch in dieser Zeit brauche und wie viel ich gewinne.

Ihr Pfarrer Dr. Sebastian Ziera

14. April

Dunkel scheinen mir die Tage und ich sehe oft kein Licht.

Gott, erhöre meine Klage, sei uns nah, verlass uns nicht.

Lass die Hoffnung in uns wachsen:

Leben schafft sich wieder Raumm und das Holz des Kreuzes Jesu wird für uns zum Lebensbaum.

Das ist der Text  eines arabischen Passionsliedes. So haben die palästinensischen Christen in Bethlehem wieder gesungen. Sie haben eine traurige Osterzeit, weil die Besucher aus aller Welt ferngeblieben sind. Wie in Jerusalem, so auch in Bethlehem und Nazareth. Gern würden sie ihre Schnitzereien aus Olivenholz verkaufen. Darstellungen des Abendmahls,  weihnachtliche und andere Motive. Sie haben nun große Verluste.

Aber sie singen. Sie singen von Hoffnung, Es ist die Hoffnung, die uns als Christen beseelt, dass wir Jesus, den Lebendigen, nicht bei den Toten suchen müssen ( Lukas 24,5 )!

Er ist gegenwärtig in uns. 

Er ist gegenwärtig  in unserer Sehnsucht nach einem Ende dieser Epidemie mit ihren lähmenden Einschränkungen.

Er ist gegenwärtig in den Kranken – und den Schwestern, Pflegern und Ärzten, die sich um sie bemühen.

Er ist auch und weiterhin gegenwärtig in denen, die nach einem menschenwürdigen Leben hungern und dürsten – den Fremdlingen unter uns – den Geflüchteten, die bei uns in Europa eine neue Heimat suchen – bei den Gefangenen – (Matthäus 25, 31 ff).

Er ist gegenwärtig in uns.  Und will gegenwärtig sein durch uns.

„ Ich glaube an Jesus Christus, der aufersteht in unser Leben…Ich glaube an den Geist, der mit Jesus in die Welt gekommen ist, an die Gemeinschaft der Völker und unsere Verantwortung für das, was aus der Erde wird: ein Tal voll Jammer, Hunger und Gewalt, oder die Stadt Gottes.“ (Dorothee Sölle)  

Eine gute Osterwoche wünsche ich Euch,

Rolf-Dieter Hansmann

Ostermontag, der 13. April

„Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ (Joh 20,27)

Der Herr ist auferstanden! Sie jubeln und rufen es schon auf den Straßen und Gassen – die Frauen und die Jünger. Nur Thomas zweifelt: Auferstanden? Kann es so etwas wirklich geben in einer Welt so voller Gewalt, Krankheit und Tod? Dann sieht und berührt er die Wundmale: Zeichen des Todes werden zu Beweisen für das Leben. Ungläubiges Staunen verwandelt sich in glaubendes Vertrauen. Er ist wahrhaftig auferstanden!

Und ich? Ungläubig staune ich über Kirchen, in denen keine Ostergottesdienste stattfinden könne, über täglich höhere Zahlen von Kranken und Toten, über schmerzlich vermisste Gemeinschaft. Trotzdem oder gerade deshalb: Die Botschaft von Ostern bleibt. Gott liebt das Leben und deshalb behält der Tod nicht das letzte Wort und unser Ruf bleibt nicht unbeantwortet: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ (Mk 9, 24; Jahreslosung 2020)

Eine gesegnete Osterwoche wünscht Ihnen

Konstantin Enge

11. April

Gestern, am Karfreitag, hätte in der Taborkirche zur Sterbestunde Jesu die Johannespassion von Johann Sebastian Bach erklingen sollen. Doch die Aufführung musste abgesagt werden, wie alle anderen gemeindlichen Veranstaltungen auch. Vielleicht hat sich der eine oder andere, der ansonsten das Konzert besucht hätte, stattdessen ja eine CD-Aufnahme der Johannes- oder Matthäuspassion angehört oder im Fernsehen eine Konzertaufzeichnung einer der beiden Passionen Bachs miterlebt. Wird uns in der Matthäuspassion Jesus als der Duldende vorgestellt, als der Leidende, der wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt wird, ist der Jesus der Johannespassion ‚Herr des Geschehens‘: Er bleibt nicht passiv gegenüber seinen Richtern, sondern weist sie zurecht. Er schweigt nicht, sondern steht Rede und Antwort. Und am Ende ist er der Siegreiche. „Der Held aus Juda siegt mit Macht“ heißt es in der Alt-Arie, die auf Jesu letzte Worte am Kreuz „Es ist vollbracht“ folgt. Ganz unterschiedlich hatten die beiden Passionen bereits begonnen: mit der Aufforderung zur Klage „Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen.“ hier, dort mit der Anrufung Jesu als Herrscher „Herr, unser Herrscher, dessen Ruhm in allen Landen herrlich ist…“. Und so enden sie – der Leichnam Jesu ist ins Grab gelegt – auch ganz verschieden: Singt der Chor in der Matthäuspassion „Wir setzen uns mit Tränen nieder…“, heißt es vor dem eindrücklichen Schlusschoral in der Johannespassion „Ruht wohl, ihr heiligen Gebeine, die ich nun weiter nicht beweine. Ruht wohl und bringt auch mich zur Ruh. Das Grab, so euch bestimmet ist und ferner keine Not umschließt, macht mir den Himmel auf und schließt die Hölle zu.“

Heute ist Karsamstag, der Tag der Grabesruhe Jesu. Deshalb wird er auch „stiller Samstag“ genannt. In anderen Jahren ist von Stille an diesem Tag nicht viel zu spüren. Hektisch erledigen die einen letzte Einkäufe, andere ziehen das Osterfest vor und machen aus dem Karsamstag einen Ostersamstag.  In diesem Jahr ist es anders: es ist wirklich stiller – nicht nur am heutigen Tag. Zeit zum Innehalten und In-sich-gehen.

Ich wünsche Ihnen Gelegenheit zur Besinnung an diesem stillen Samstag. Und möge für uns alle morgen die Ostersonne aufgehen und das Leben hell machen! Grund zur Osterfreude gibt es: Der Himmel ist uns aufgemacht und die Hölle zugeschlossen!

Herzlich grüßt Sie

Ihr Pfarrer Matthias Piontek

9. April

In der Runde seiner Geschwister hörte er jeden Abend in der Karwoche einen Abschnitt der Passionsgeschichte. Ergriffen erlebten sie – die behütenten und im Schlafanzug auf der Bettkante sitzenden Kinder - Angst und Lüge, Verrat und Reue, Brutalität und Hass, Gemeinheit und Trauer. Zum Abschluss sangen sie noch verschiedene Passionschoräle.

Und dann kam der Karfreitag. Es sollte an diesem Tag keinen Streit zwischen den Geschwistern geben, weil dies nicht zum Tag des Todes Jesu passt. So die Vorstellung der Kinder. Als sie größer waren, gehörte auch der Besuch der Matthäuspassion zum Karfreitag.

Jahre später begleiteten ihn diese Erfahrungen im Gefängnis. Dort wo er anderen Hoffnung zusprach und selber Hoffnung brauchte. Hier formulierte er: „Es ist das Befreiende von Karfreitag und Ostern, daß die Gedanken weit über das persönliche Geschick hinaus gerissen werden zum letzten Sinn alles Lebens, Leidens und Geschehens überhaupt und daß man eine große Hoffnung faßt.“ (Widerstand und Ergebung, DBW Band 8, Seite 49).

Menschen, die ihm damals im Gefängnis begegnet sind, haben diese Hoffnung, verbunden mit einen großen Gottvertrauen, erlebt und gespürt. Dies alles ist in seiner Kindheit gesät worden, später gewachsen und weiterentwickelt worden. Und das zeigt sich auch in seinen bekanntesten Worten: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, ...“ So konnte er auch die letzten Schritte seines Lebens im Vertrauen auf Gott gehen.

Sein Leben endete vor 75 Jahren – am 9. April 1945 wurde er im Konzentrationslager Flossenbürg erhängt. Seinen Mitgefangenen gab er den folgenden „österlichen“ Satz mit: „Das ist das Ende, für mich der Beginn des Lebens.“

Mögen uns diese Worte stärken und geleiten, hin zum Licht von Ostern,

Angela Langner-Stephan

Zum Weiterlesen: Jutta Koslowski (Hg.): Aus dem Leben der Familie Bonhoeffer (Auszeichnungen der jüngsten Schwestern Susanne) und weitere Bücher über und von Dietrich Bonhoeffer

8. April

Heute hat meine Tochter Geburtstag. Sie wird fünf Jahre alt. Für sie ist das, wie auch für andere Kinder in ihrem Alter ein ganz wichtiger Tag, auf den sie sich schon lange freut. Fünf Jahre, seit sie geboren wurde und ein neues Leben begann. Am Sonntag werden wir wieder feiern: dieses Mal Ostern. Bald 2000 Jahre ist es her, als ein neues Leben für viele begann. Auch damals herrschte eine Krise: Die Besetzung Israels durch die Römer, die schwere Steuerlast, Hunger und Krankheiten erdrückten die Menschen. Sie erwarteten sehnsüchtig das Ende dieser schwierigen Zeit. Der Messias sollte kommen und sie von den Römern befreien. Ein plötzliches, wundersames Ende der Bedrückungen hatten sie sich erhofft. Das neue Leben, die Befreiung kam allerdings ganz anders, als sie das erwartet hatten und trotzdem mächtig. Heute gibt es Kuchen und wir denken an die Zeit vor fünf Jahren zurück. Auch Sonntag werden wir an das neue Leben vor bald 2000 Jahren denken und Kuchen essen. Aber genauso, wie die Zeit nach der Geburt unserer Tochter schwierig war und Jesus nicht die römische Besatzung mit einem Handstreich beendete, werden wir Ostermontag noch in der Krise stecken. Aber es begleitet uns die Hoffnung, die uns Christus schenkt, dass es am Ende doch gut wird und wir ein neues Leben haben.

Herzliche Grüße

Nicole Oesterreich

7. April

Wir befinden uns in der Karwoche. Von Ostern her und aus historisch weiter Ferne blicken wir zurück auf das, was uns Matthäus, Markus, Lukas und Johannes von dieser Woche erzählen. Es klingt auch heute noch erschütternd. 

Was aber, wenn wir mitten drin wären in diesen Ereignissen?

Eben noch Palmsonntag. Der begeisterte Empfang für Jesus in Jerusalem. Er ist der Hoffnungsträger. Behauptet, Gottes Sohn zu sein. So viele Likes. Eine virale Bewegung entsteht. Das ist gefährlich. Die Römer werden sich das nicht mehr lange ansehen. Ihnen muss das wie ein Volksaufstand erscheinen. Wir wissen ja, wie sie auf so etwas reagieren. So weit darf es nicht kommen, sonst Gnade uns Gott! Jetzt ist kluges und beherztes  Eingreifen notwendig. Kaiphas, der oberste Geistliche und Chef des Hohen Rates, sieht einen Ausweg: "Es ist besser für euch, ein Mensch sterbe für das Volk, als dass das ganze Volk verderbe" (Joh 11,50). Das muss nun zügig umgesetzt werden. Jesus wird verhaftet.  Fake News werden gestreut. Er will den Tempel einreißen! Die Stimmung kippt: Wenn das so ist...  Besser weg mit ihm...  Ans Kreuz mit ihm! Schrecken breitet sich unter seinen Freunden und Anhängern aus. Nur nicht da auch noch mit hineingezogen werden... Das ist das Ende! "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" (Mat 27,46)

Aus sicherer Ferne schauen wir hier auf eine zerstörerische Dynamik, eine Todesspirale, die keiner aufhalten konnte. War das ein einmaliges Ereignis oder bleibt das eine mögliche Bedrohung? In diesen Tagen fragen viele: Wie geht es weiter mit uns?  Der oberste Verantwortungsträger in Washington hat sich dazu schon geäußert:  "Die Heilung darf nicht schlimmer werden als die Krankheit!" Dieser Gedanke wird auch bei uns immer offener diskutiert. Die Frage nach dem größeren und dem geringeren Übel taucht wieder auf. Im Klartext: Es wird Opfer geben (müssen), damit nicht das ganze Land verderbe.  Kompromisse müssen gesucht und gangbare Wege gefunden werden. Doch welche Wege sind gangbar und wer entscheidet darüber? Fake News sind ein Mittel, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Interessen stehen im Raum... 

Ich weiß, liebe Leserin und lieber Leser, das klingt alles andere als ermutigend. Dabei sollte ich hier Trost verbreiten. Ich sehe mich da auf einem sehr schmalen Grat: Trostversuche sollen nicht dazu führen, dass erwachsene Menschen die Augen vor den realen Gefahren verschließen. Andererseits darf das Reden von diesen Gefahren den Teufel auch nicht an die Wand malen und dadurch Panik oder Resignation verursachen. Wie komme ich da durch? Wie kommen wir miteinander durch die Zeit, in der die biblischen Erzählungen der Karwoche fast wie eine Textvorlage für aktuelle Fragen und mögliche Bedrohungen erscheinen können? Ich weiß es ebenso wenig, wie es die Jünger damals wussten. 

Doch eines glaube und hoffe ich: Ostern liegt noch vor uns. Und zu Ostern will uns die Liebe Gottes, die höher ist als alle menschliche Vernunft, neue Erfahrungen, neue Einsichten und neue Kräfte schenken, durch die wir aus dem Verderben herausgeführt und zum Segen für diese bedrohte Zeit werden können. Suchen wir danach und bleiben wir offen dafür!

Ihr Heinz Schneemann

6. April

„Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen.“ (Jes 53,4a)

War Jesus eigentlich manchmal krank? Diese Frage beschäftigt mich am Beginn dieser außergewöhnlichen Karwoche. Lief er mit Schniefnase herum? Bekam er von seiner Mutter kalte Wadenwickel gegen das Fieber und warmen Tee mit Honig, damit das Husten aufhört? Ich glaube schon, denn in Jesus ist Gott ganz Mensch geworden – vergänglich, verletzlich, empfänglich für Krankheiten und für die Angst vor Einsamkeit und Verlust – und damit ganz nah bei uns und dem, was wir in diesen Wochen fühlen und erleben. In der Karwoche erinnern wir uns jedes Jahr daran, dass Jesus diesen Weg bis zum Punkt tiefster Erniedrigung und dem absoluten Ende eines menschlichen Lebens gegangen ist...

...um dann zu Ostern zu erleben, dass es kein Ende bleibt! Gott stellt sich dem Tod und dem Leid mit aller Macht entgegen und schenkt Leben und Freiheit! Auch wenn ich 2020 keinen Ostergottesdienst besuchen kann, freue ich mich auf diese gute Botschaft in diesem Jahr schon ganz besonders.

Zum Beginn dieser Woche wünsche ich auch Ihnen diese Vorfreude und verbleibe mit herzlichen Grüßen

Ihr Konstantin Enge

4. April

Zu den biblischen Texten der Passionszeit gehört der Bericht von der „Salbung in Bethanien“ (Markus 14, 3-9). Von einer Begegnung voll Zärtlichkeit und Hingabe wird da berichtet. Eine Geschichte von Nähe und Berührung wird erzählt – und von „Verschwendung“. Eine Frau salbt Jesus mit kostbarem Nardenöl. Zu seinem Begräbnis tut sie dies, wie Jesus selbst es deutet. In diesem ganz menschlichen Tun der Frau spiegelt sich die Liebe Gottes zu uns. Es ist wie ein Abbild dessen, was Gott tut und getan hat in Jesus Christus. Die Zärtlichkeit der Liebe, die die Nähe sucht und die Berührung – wir erkennen sie wieder im Leben Jesu: in seiner Zuwendung zu denen, die auf Liebe warten, auf Heilung oder Anerkennung. Die Kraft der Liebe, die sichtbare und unsichtbare Grenzen überschreitet – wir finden sie in den Erzählungen von der Tischgemeinschaft Jesu mit Zöllnern und Sündern.

Die Liebe Gottes – sie ist nicht nur im Leben Jesu, sondern insbesondere auch an seinem Sterben, seinem Tod sichtbar geworden.  Am Kreuz Jesu zeigt sich die ganze Tiefe und die Unbedingtheit der Liebe Gottes, die – wie die Frau in Bethanien – nicht rechnet und gegenrechnet, nicht fragt, was es bringt, sondern das Kostbarste gibt: verschwenderisch, ganz und gar, ein für allemal. Die Geste der unbekannten Frau spricht uns an auf die eigene Sehnsucht danach, offen zu werden für die bedingungslose Hingabe, die uns begegnet in einem Blick, einer Geste, einem Wort. Sie macht Mut, sich selbst immer wieder neu berühren zu lassen von der Liebe Gottes. Sie traut uns sogar zu, die erfahrene Liebe immer wieder verschwenderisch auszuteilen an diejenigen, die auf ein Zeichen der Liebe warten. 

Nähe und Berührung sind in dieser „kontaktarmen Zeit“, die uns das Corona-Virus auferlegt, gerade nicht möglich. Doch auch ein Anruf, ein Brief (oder eine E-Mail) sind Zeichen der Zuwendung und der Liebe. Und vielleicht lässt uns diese besondere Zeit noch ganz neue Möglichkeiten entdecken, Verbundenheit zu zeigen… 

Ein gesegnetes Wochenende und eine besinnliche Karwoche wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Matthias Piontek

3. April

Es kann gehen! Am kommenden Sonntag beginnt die Karwoche und ein paar Tage später Pessach und dann Ostern. Eigentlich stehen jetzt die Vorbereitungen vor der Tür. Aber, wie kann das gehen? Besuchsbeschränkungen statt feierlichem Einzug in Jerusalem - Ausgangbeschränkungen statt Auszug in die Freiheit? Wie kann das gehen? Die Karwoche und Ostern zu Hause ohne Gottesdienst, Tischabendmahl, Passionsmusik, Osternacht zu begehen. Oder das Sedermahl zu Beginn des Pessach-Festes ohne Gäste und Freunde zu feiern.

Wie kann das gehen? – fragt mich die Tage eine Seniorin am Telefon.

Durch einen jüdischen Freund kam mir eine Idee. „Was unterscheidet diese Nacht von anderen Nächten?“ - Wie ein roter Faden führen Kinderfragen durch das Mahl am ersten Abend von Pessach. Die Antworten erzählen allen am Tisch die Geschichte vom Auszug aus Ägypten und zeigen, dass die Geschichte und dies Fest der Freiheit auch heute noch von Bedeutung sind. Wie kann das gehen? – Auch unsere Kinder und wir selber können Fragen stellen und dazu in der Bibel lesen. „ Was unterscheidet diesen Tag von anderen Tagen?“

Palmsonntag: Markus 11,1-11

Montag: Markus 11,15-19

Dienstag: Markus 12-13

Mittwoch: Markus 14,3-9

Gründonnerstag: Matthäus 26,17-56

Karfreitag: Matthäus 26,57-68

Karsamstag: Markus 15,42-47

Ostersonntag: Lukas 24,1-12

Ostermontag: Lukas 24,13-35

Es kann gehen! Es wird dieses Jahr völlig anders sein. Aber vielleicht begleiten Sie Jesus auf besondere Weise, finden anders Kraft und Trost, gewinnen Mut und Hoffnung und entdecken neu das Licht der Auferstehung.

Da bleibt mir nur noch gute Vorbereitung zu wünschen,

Ihre Angela Langner-Stephan

P.S.: Zum Sederabend gehört: 2. Buch Mose 12-15

2. April

Eines ist sicher . . .

Was fällt Ihnen, liebe Leserin oder lieber Leser, dazu jetzt spontan als Fortsetzung ein? 

Und: Sagt das nun mehr über die äußere Situation oder über Ihre innere Disposition aus? 

Wir sehen: Mit der Sicherheit ist das so eine Sache. Da spielen Äußeres und Inneres zusammen. Aber manchmal kann beides auch ganz schön - oder vielmehr: ganz unschön - auseinanderklaffen. Das merken wir in diesen Tagen wieder sehr deutlich. Manche gehen immer noch recht unbekümmert mit der Gefahr durch COVID-19 um und fühlen sich dabei recht sicher. Andere befolgen jeden Rat und Hinweis bis ins kleinste Detail und werden die Unsicherheit trotzdem nicht los. Lässt sich diese Lücke zwischen äußerer und innerer Sicherheit nicht schließen - oder wenigstens verringern? Dazu sind im Prinzip zwei Wege vorstellbar. Die eine Möglichkeit wäre ein Rundum-sorglos-Paket, wie es uns von Versicherern beispielsweise vor dem Antritt einer Reise angeboten wird. Damit wir das große „Event“ unbeschwert genießen können, werden wir von vornherein gegen alle „Eventualitäten“  abgesichert. Darüber kann und sollte man gerade in diesen Tagen einmal nachdenken. Die andere Möglichkeit wird von  dem Versicherungsfachmann Martin Luther empfohlen. Er unterscheidet zwischen zwei Sicherheitskonzepten: SECURITAS und CERTITUDO. Das erste Konzept zielt darauf ab, sich möglichst unverwundbar zu machen. Zuerst hat das auch Luther versucht.  Doch spürte er ziemlich bald  - und hat sich doch noch jahrelang damit gequält! -, dass er hier mit seinem Latein am Ende war. Dann hat er die certitudo für sich entdeckt. Wie kann man das am besten erklären?

Vielleicht mit einem Wort seines Lehrers Paulus: Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.(Römerbrief 8,38-39) Aus diesem Satz spricht eine ungeheure Gewissheit - das ist das Wort für die Sicherheit in uns.  Sie kann uns als eine besondere innere Erfahrung des Glaubens erfüllen. Luther hat diese  certitudo gefunden. Mehr noch: Für ihn war sie die entscheidende Kraft, aus der heraus er die großen Ängste seiner Zeit ansprechen und überwinden konnte. Und was ist dann mit der äußeren Sicherheit? Wird diese dadurch nun belanglos? Nein! Das ist eine falsche Vereinseitigung und zugleich die teuflische Gefährdung des Glaubens. Wenn das jetzt in Ihren Ohren überzogen klingt, schlagen Sie bitte bei Matthäus 4,5-7nach.

Worauf kommt es also an?

Darauf, die Bemühungen um securitas und das Streben nach certitudo nicht gegeneinander auszuspielen. Wir tun gut daran, weder die äußere noch die innere Seite zu vernachlässigen. Beide bilden ein Ganzes. 

Seien Sie ganz sicher!

Ihr Heinz Schneemann

1. April

Ich möchte Sie heute zum Riechen einladen. Nein, das ist kein Aprilscherz.  Denn es liegt etwas in der Luft. Etwas Gutes. Frühling liegt in der Luft. Der Duft von blauen Veilchen, der Duft von Hyazinthen, der Duft erster Obstbaumblüten. – Auf unserem Tisch stehen Tulpen. Manche ihrer Kelche duften leicht. Dankbar nehme ich dies mit meiner Nase wahr. Es liegt was in der Luft. Jetzt, in diesen außergewöhnlichen Wochen, strömt frischere Luft als sonst in meine Lunge. Unterwegs, am offenen Fenster, draußen vor der Haustür. Denn es fahren weniger Autos. Atmen Sie tief ein, sooft Sie können! Spüren Sie, wie sich dabei Ihre Taillen weiten und die Rippen des Brustkorbs dehnen. – Ich möchte Sie heute einladen, das Leben zu feiern. Ihr Leben. Auch Ihr Leben trotz Behinderung, trotz einer Krankheit, trotz Altersgebrechen. Das Ein- und Ausatmen vollzieht sich automatisch, seit unserer Geburt. Mir wurde mein erster Atemzug heute vor 81 Jahren geschenkt. – Wer oder was steckt hinter dieser Atembewegung? Lesen Sie:  Da bildete Gott Adam, das Menschenwesen, aus Erde vom Acker und blies in seine Nase Lebensatem. Da wurde der Mensch atmendes Leben. ( 1. Mose 2,7 ) Gott liegt in der Luft. Wie die Luft uns von allen Seiten umspielt, so umgibt uns Gott von allen Seiten ( Psalm 139 ). Mit jedem Atemzug  nehmen wir seine Liebe in uns auf. Er hält uns die Treue, sogar über unseren letzten Atemzug hinaus. Mit dem Atmen ist uns auch die Stimme geschenkt, zum Sprechen, Flüstern, Musizieren. Ich lade sie ein, Gott zu danken mit dem Summen einer Melodie oder singend. Wie es Ihnen in den Sinn kommt. Oder aus unserem Gesangbuch.        

EG 165:  Gott ist gegenwärtig… Luft, die alles füllet, drin wir immer schweben, aller Dinge Grund und Leben.

EG 432: Gott gab uns Atem damit wir leben….Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehen. ( EG 432 ).

Rolf-Dieter Hansmann

31. März

Was unterliegt keiner Beschränkung?  Ich bin mit den Konfirmanden*innen der 8. Klasse in einem regen Austausch. Auf die Frage, was keiner Beschränkung unterliegt, antworteten sie mir mit diesen Worten, die Sie auf dem Poster lesen können. Das Kreuz ist der Anfang unserer Hoffnung, auch wenn Leid und Schmerz die Menschen ergreift und die Welt in Angst und Schrecken ist. Am Baum des Kreuzes erwacht neues Leben, weil die Liebe stärker ist als der Tod. Die Worte der Konfirmanden*innen sind in das Kreuz gefügt, weil sie alle von Gottes Nähe zu uns erzählen. Wir sind zu Hause nicht allein.  „Wenn mein Geist in Ängsten ist, so erkennst du doch meinen Pfad.“ Psalm 142,4 

Ihr Martin Staemmler-Michael

30. März

„Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein“ (Offb. 21,4)

Als Gott die Welt geschaffen hat – so berichtet es die Bibel – bestand sein Werk darin, Ordnung in das bis dahin herrschende Chaos, das Tohuwabohu, wie es die hebräische Bibel (Gen 1,2) nennt, zu bringen. Auch wenn die Schöpfung als „sehr gut“ bewertet wird, sind die Chaosmächte in ihr doch nur zurückgedrängt, nicht aber völlig überwunden. Sie zeigen sich etwa in der Finsternis der Nacht und in der Gewalt, die in der Natur und auch unter den Menschen – denken Sie an Kain und Abel – allgegenwärtig sind. Wir erleben diese Chaosmächte auch in der aktuellen Pandemie: Mit all unseren Anstrengungen können wir das Virus bestenfalls eindämmen, aber nicht verhindern, dass es Leben nimmt, gefährdet und einschränkt. Die Bibel erzählt aber auch von einer großen Hoffnung: Gott will und wird seine Schöpfung vollenden und es wird dann Tod, Gewalt und Leid nicht mehr geben. Das beginnt schon jetzt, wo Menschen von der Liebe Gottes erzählen und füreinander da sind. Auch in der aktuellen Krise dürfen wir deshalb statt in einsamer Verzweiflung mit einer fröhlichen Hoffnung leben.

Ihr Konstantin Enge

28. März

Am heutigen Samstag endet die Lätare-Woche. „Freut euch!“, so hatte uns der Sonntag Lätare aufgefordert. 

Aber geht das denn, mitten in der Passionszeit? Kann man sich freuen in diesen Wochen, in denen wir in besonderer Weise an das Leiden und Sterben Jesu denken? Und kann man sich freuen in dieser „Corona-Zeit“ mit all ihren Unsicherheiten und Unwägbarkeiten? Ja, man kann! Doch brauchen wir in diesem Jahr vielleicht tatsächlich eine besondere Ermunterung dazu. Lätare wird mitunter auch als „kleines Ostern“ bezeichnet, weil es uns einen Ausblick auf die Osterfreude gewährt. Als Christen leben wir immer schon nach Ostern. Wir wissen also, dass auf die Finsternis des Karfreitags die helle Ostersonne folgte. Das Osterereignis wirft sein Licht bereits voraus: Grund zur Freude! Auch diese unsichere Zeit, die wir gerade erleben, ist nicht freudlos: Trotz der jetzt notwendigen Vereinzelung können wir miteinander verbunden bleiben – Telefon und Internet machen es möglich. Und auch über den neu aufkommenden Gemeinschaftssinn kann man sich nur freuen: nachbarschaftliche Gespräche von Balkon zu Balkon, organisierte Hilfsangebote in den Stadtvierteln, verabredetes Musizieren auf den Balkonen, brennende Kerzen in den Fenstern als Zeichen der Verbundenheit… Es ist zu spüren, wie mit der angeordneten äußerlichen Distanz die innerliche Verbindung wächst.Schließlich ist da auch die erwachende Natur. Spazierengehen ist erlaubt, wenn auch mit gewissen Einschränkungen. Vielleicht begegnen Sie auf einem Spaziergang sogar dem einen oder der anderen Bekannten. Es ist nicht untersagt einander zu grüßen und nach dem Ergehen zu fragen – aus sicherer Distanz und diese so zugleich überwindend. Oder zumindest zuwinken könnte man einander ja. 

Es gibt also – trotz allem – Grund zur Freude. So wünsche ich Ihnen einen freudvollen Tag und ein gesegnetes Wochenende!

Ihr Pfarrer Matthias Piontek

27. März

Jeden Tag fast nur noch Coronanachrichten. Jetzt auch noch diese massiven Einschränkungen: nirgendwo mehr hingehen, niemanden mehr treffen dürfen. Aus triftigen Gründen, sicher. Aber wie lange soll das dauern? Und was wird das mit uns machen . . . ? Gerade jetzt melden sich wieder zwei alte Bekannte bei mir, zwei die sich ständig widersprechen. Die eine: So schnell kriegen wir das mit dem Virus nicht in den Griff! Und dann, was glaubst du wohl, was mit den ganzen Folgeschäden und den astronomisch teuren Rettungspaketen auf uns zukommt?! Jetzt kommt die eigentliche Wende - die in die Zukunft! So redet Frau Sorge auf mich ein. Der andere, Herr Trost, will das nicht gelten lassen: Hat sie dir wieder Angst gemacht? Das hilft gar nicht, das ist Gift für die Seele! Du musst nur positiv denken! Mach einfach das Beste daraus! Und darauf die Sorge: Jaja, pflanz nur dein Apfelbäumchen, und steck den Kopf gleich mit in den Sand! Du wirst schon sehen! Und dann der Trost: Nimm dir nur ja nicht so zu Herzen, was sie sagt! So geht das immer weiter, wenn die beiden da sind. Irgendwie hat die Sorge ja auch recht, und irgendwie tut der Trost ja auch gut. Deshalb kann ich sie auch nicht einfach wegschicken. Aber dieses ständige Streiten ist schwer auszuhalten, zumal es mich selbst hin und her reißt. Man müsste ihren andauernden Redefluss mal unterbrechen und beide richtig ins Gebet nehmen! Hört zu: Ihr seid nicht hier bei mir, um euch auszutoben! Ihr habt eine Aufgabe zu erfüllen. Ihr müsst einen gangbaren Weg durch diese Krise finden! Das könnt ihr nur miteinander, weil ihr sonst hier alles kaputtmacht!

Ob wir das miteinander hinkriegen? Mir geht da so ein altes Wort durch den Sinn: Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet (Römer 12,12). Das könnte doch hier auch bedeuten: Frau Sorge und Herr Trost an einen Tisch! Ihr dürft beide einbringen, was ihr zu sagen habt. Doch lasst euch beide ins Gebet nehmen, was ja immer auch zuhören und nach dem Weg, der Wahrheit und dem Leben fragen heißt!

Ob das jetzt funktioniert? Was meinen Sie?

Heinz Schneemann

26. März

"Apocalypse now…

Aus einem Gespräch mit einem Freund über die aktuellen Geschehnisse: „Das steht doch alles schon in der Bibel mit dem Corona-Virus. In der Offenbarung! (Offb 6,8)“ Ich wehre zunächst ab. „Du kannst diese Texte nicht als Zukunftsvoraussagen lesen.“ Und doch lässt mir der Gedanke keine Ruhe. Was diese düsteren Texte der Johannesoffenbarung und den vielen anderen sogenannten Apokalypsen eigentlich ihren Leserinnen und Lesern klar machen wollten: Kehrt um zu Gott, bevor es zu spät ist! Ändert euer Verhalten und eure Lebenseinstellung, denn das Ende der Welt könnte jederzeit kommen. Das passiert gerade vor unseren Augen! Also hoffentlich nicht das Ende der Welt. Aber wir sehen, wie das gehen kann im Angesicht der drohenden Gefahr: Eine ganze Gesellschaft, die sich von Gott, ihren Mitmenschen, der Natur und dem Tod immer weiter distanziert und dort bequem gemacht hat, gerät plötzlich in Bewegung im Kopf und virtuell. Werden wir noch die gleichen sein wenn das alles vorbei ist? Vielleicht werden wir menschlicher geworden sein und hoffentlich bleiben. Vielleicht werden wir ein Auge für all diejenigen haben und behalten, die wir sonst nicht sahen oder sehen wollten. Vielleicht werden wir uns bewusst geworden sein, dass der Tod zum Leben dazu gehört und wir jeden von Gott geschenkten Tag mit unseren Lieben leben und dafür dankbar sein sollten. In dem Sinne steht das mit Corona in gewissem Sinne wirklich schon in der Bibel. 

Nicole Oesterreich"

25. März

Tag 3 mit verschärften Ausgangsbeschränkungen: Ich sitze mit meinem Kalender am Küchentisch. Einen Termin nach dem anderen muss ich streichen, da stoße ich auf einen kleinen Hinweis: Mariä Verkündigung. Heute wird in der Kirche an den Tag gedacht, an dem der Engel Gabriel zu Maria kommt und ihr Leben auf den Kopf stellt. Sie soll ein Kind bekommen. Was ist mit ihrer Hochzeit mit Josef? Was ……? Nichts mehr ist wie vorher! Wie wird es weitergehen? Maria hat trotz aller Unsicherheit ja gesagt – ja zu Gott! Auch bei uns hat sich das Leben auf einen Schlag geändert und wir wurden nicht einmal gefragt. Trotzdem sollten wir die Möglichkeit nutzen, die neue Situation anzunehmen: uns arrangieren – einfinden – akzeptieren – neue Wege finden.

Maria sucht in dieser Situation den Austausch mit Elisabeth und nimmt sich die Zeit, mit der veränderten Lage klar zu kommen. Hier schöpft sie Kraft und Mut für alle Dinge, die nun vor ihr liegen. Auch wir können das Gespräch suchen, am Telefon oder über Video. Das wichtigste für Maria waren die Worte des Engels: „Fürchte dich nicht – hab keine Angst! Gott ist mit Dir!“ (nach Lukas-Evangelium 1,30) Mögen uns diese Worte durch diesen Tag und alle weiteren begleiten: Hoffnung schenken, Mut machen, Besonnenheit und Kraft geben!

Ihre Pfarrerin Angela Langner-Stephan

24. März

Kommt mir nicht zu nahe! Bitte halten Sie Abstand!

In den letzten Tagen hat sich vieles verändert. Man nähert sich einander anders, denn keiner weiß, wer für wen eine Gefahr sein könnte.In diesen Zeiten gehen wir auf Abstand. Aus gesundheitlichen Gründen müssen wir uns aus dem Weg gehen: Sich-die-Hände-Reichen, oder gar Umarmungen sind untersagt. Spielplätze, Fußballplätze, Kneipen und Straßen sind leer. Abgesperrt! Natürlich sehe ich das ein, aber es tut doch weh. Ich vermisse es, Ihnen die Hände zu geben. Ich vermisse Umarmungen unter lieben Freunden.Selbst das Gedränge in vollen Straßenbahnen bekommt ein romantisches Gesicht.Meine kleine Tochter weinte, weil sie nicht mehr mit ihren Freundinnen auf dem Hof spielen darf. Und plötzlich habe ich ein Gespür für die Aussätzigen in den Bibelgeschichten. Für die, die abseits und am Rand menschlicher Nähe leben mussten: Bitte Abstand halten! Ich verstehe ihre Sehnsucht nach Nähe. Eine Nähe, die uns vor ein paar Tagen noch selbstverständlich war. Und dann kommt ihnen einer nahe und berührt sie. Sagt ihnen nicht: „Bitte Abstand halten!“, sondern ruft ihnen zu: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid!“ Wie muss das für sie gewesen sein? Was für eine Befreiung, was für ein Segen!

Ich hoffe, dass die uns auferlegte Distanz nicht all zulange andauern wird. Und ich freue mich darauf, Ihnen wieder die Hand zu reichen und zu umarmen.

Bleiben Sie behütet und aus der Ferne gedrückt.

Ihr Pfarrer Dr. Sebastian Ziera​

23. März

„Denn der HERR, dein Gott, ist ein barmherziger Gott; er wird dich nicht verlassen noch verderben.“ (5. Mose 4,31a)

Vorgestern hat mein Patenkind seinen 8. Tauftag gefeiert – besuchen konnte ich ihn in diesen Tagen nicht, also habe ich ihm geschrieben. Mit den Worten an ihn möchte ich auch Sie an diesem Montag grüßen und ihnen eine gesegnete, hoffnungsvolle Woche wünschen: „Heute ist Dein Tauftag – vielleicht ist es der außergewöhnlichste, den Du bisher erlebt hast: Die Schule ist zu, der Alltag ganz anders als sonst... Sicher weißt Du, dass gerade viele Menschen krank sind oder Angst davor haben, krank zu werden. Gerade in solchen Zeiten ist es gut, sich an die eigene Taufe zu erinnern. Sie sagt uns: Gott will immer Dein Bestes. Das gibt uns Mut, wenn andere Dinge uns Angst machen wollen. Gott ist immer für Dich da. Wir müssen uns nicht einsam fühlen, auch wenn wir Menschen, die wir liebhaben, eine Zeit lang nicht treffen können.

Ich wünsche Dir, dass Du Gottes Liebe und Nähe in diesen Tagen ganz besonders spüren kannst und grüße Dich herzlich!“

Konstantin Enge

21. März

Ab heute möchten wir Sie mit Gedanken zu Bibelworten in den Tag begleiten.

„Der Herr spricht: Ich will Frieden geben in eurem Lande, dass ihr schlaft und euch niemand aufschrecke. Ich will die wilden Tiere aus eurem Lande wegschaffen, und kein Schwert soll durch euer Land gehen.“ 3.Mose 26,6 

Wir sind im Krieg! Diese Worte höre ich oft. Der Feind, das Coronavirus, zieht mit dem Schwert durch unser Land. Menschen machen sich Sorgen um Gesundheit, wirtschaftlicher Existenz und um die Betreuung der Kinder. Der Alltag bricht ein, Neuland ist noch nicht in Sicht. Nein, es ist kein Krieg. Es ist die Zeit der Achtsamkeit. Am Abend 19:00 Uhr höre ich vom Nachbarhaus Musik. Der Mond ist aufgegangen. In der 5. Strophe heißt es: Gott, lass uns dein Heil schauen, auf nichts Vergänglichs trauen, nicht Eitelkeit uns freuen; lass uns einfältig werden und vor dir hier auf Erden wie Kinder fromm und fröhlich sein. Fenster gehen auf, wir hören zu, singen mit. Es wird applaudiert. So gehe ich in diesen Tag, mit der vertrauten Melodie im Ohr und der Bitte: Lass uns dein Heil schauen. Der Herr spricht: Ich will Frieden geben in eurem Lande. Sein Friede ist unser Heilwerden. Wir können mit unserem solidarischen Abstand Frieden geben und Heilung ermöglichen. Vielleicht wird das Solidargefühl nach der Krise stark bleiben. Das Siegergefühl!  Was wäre das für eine Welt. Darum bittet uns Gott schon seit ewigen Zeiten.

In herzlicher Verbundenheit

Ihr Pfr. Martin Staemmler-Michael